Weihnachten für Alle
Hallo ihr alle zusammen,
ich hoffe ihr hattet ein schönes Weihnachtsfest.
Hier in Ecuador wird natürlich auch Weihnachten gefeiert, so wie fast in der ganzen Welt. Da sich die Art des Feierns aber doch sehr von der deutschen unterscheidet, möchte ich euch von meinen Weihnachtserlebnissen in Ecuador berichten.
Die wohlhabenderen Leute beschenken sich ähnlich wie in Deutschland – vielleicht in nicht so großem Umfang – es ist vor allem die Geste, die zählt. Es gibt Kerzen, einen (Plastik-) Weihnachtsbaum, Gottesdienst und natürlich gutes Essen. Die Feier im Kreis der Familie dauert fast die ganze Nacht. Das Schenken ist beinahe eine Zeremonie: Jeder überreicht mit vielen Beschreibungen sein Geschenk dem Beschenkten während die übrigen darauf warten, bis sie an der Reihe sind.
Bei den Ärmeren gibt es wohl aus eigener Kraft keine Geschenke. Ich habe in den Slums Familien gesehen, die sich 3 Betten mit 8 Personen teilen mussten, sodass im Wechsel geschlafen wird. Der Fußboden der meisten Hütten besteht nur aus Brettern, die mit großen Lücken an einem Holzgestell befestigt sind. Die Wände sind manchmal nur aus Stroh und langen Ästen. Die Armut ist unbeschreiblich. Die Armen, und davon gibt es in Ecuador sehr viele, sind auch an Weihnachten auf die Großzügigkeit der wohlhabenderen Schicht angewiesen.
Deshalb veranstaltet meine Gastfamilie mit anderen Familien jedes Jahr ein Projekt, in dem sie mit Lebensmitteln und Kleidung zu den Slums fährt und die Sachen dort an die ärmeren Menschen verteilt:
So sind wir am Vormittag des 24. Dezember mit 8 Kartons voller Lebensmittel und mehreren Kleidungssäcken in die Slums gefahren und haben die Sachen verteilt. Es bildete sich schnell eine kleine Gruppe von 20 oder mehr Personen und wir vergaben unsere Sachen. Leider blieben viele Hände leer.
So fuhren wir am 25. Dezember mit riesengroßen Säcken voll Süßem und Spielsachen erneut hin. Beeindruckend – bestimmt mehr als 200 Kinder warteten bereits auf uns, als wir ankamen. Die größeren Kinder trugen ihre kleineren Geschwister auf der Schulter, und es war kein Egoismus vorhanden: Sie bildeten eine Schlange und jeder bekam ein kleines Säckchen Süßes und ein Spielzeugauto oder ein Püppchen. Wir hatten sogar so viel, dass am Ende noch etwas übrig blieb. Damit fuhren wir ins Stadtzentrum, wo an Weihnachten Straßenkinder von Haus zu Haus laufen, um nach Essen zu betteln. So konnten wir dort auch noch einige beschenken.
Aus Dankbarkeit über den eigenen „Reichtum“ andere zu beschenken. – Für mich eine völlig neue Erfahrung, gelebte Nächstenliebe. Aber ich kann von mir sagen, dass es ein unbeschreiblich schönes Gefühl ist, arme Kinder an Weihnachten glücklich zu sehen und ein Lächeln in ihre Gesichter zu zaubern.
¡Feliz Navidad!
Euch allen noch schöne Ferien und einen guten Rutsch ins Jahr 2010!!
Euer Oliver


